
Dass es dieses Schiff in meinem Leben überhaupt gibt, ist vor allem zwei Umständen zu verdanken. Es war das Jahr 2012, ich ging erkennbar auf die 50 zu und mir wurde klar, dass wenn ich meinen Traum verwirklichen wollte, auf einem Boot zu leben und Reviere wie die Ostsee zu erkunden, dann würde ich es jetzt tun müssen - und nicht irgendwann einmal später. Denn je mehr Zeit verstreichen würde, desto schwerer würde mir eine Umstellung fallen - und ich würde bis an mein Lebensende der Jollenkreuzer-Segler bleiben, der ich war. Gegen Jollenkreuzer ist nichts zu sagen, aber in mehr als 15 Jahren hatte ich fast alles abgesegelt, was mit einem Jollenkreuzer in der Umgebung machbar war.
Das Boot, das ich mir vorstellte, war eine Fellowship 28, die ich dann im Januar 2013 in Naarden fand und auch haben wollte. Insbesondere die Dinette-Anordnung mit dem großen Tisch und den Ausblicken durch die großen Fenster nach Back- und Steuerbord hatten es mir angetan. Aber dann tauchte 2015 Sybill in meinem Leben auf und erneut änderte sich alles. Sybill brachte eine spontane Segelbegeisterung mit, machte schon bald ihre eigene Segelausbildung und dann reifte der Plan, ein halbes Jahr lang mit dem Boot auf der Ostsee unterwegs zu sein. Nur dafür - fanden wir - war die Fellowship 28 etwas zu klein. Die vordere Koje war etwas zu kurz und eng, also bauten wir regelmässig abends zum Schlafengehen die Dinette um und richteten dort unseren Schlafplatz ein. Das geht für einen Urlaub oder ein Wochenende, aber für ein längeres Leben auf dem Schiff war es etwas eng und wir suchten eine Lösung, bei der wir uns dann auch etwas aus dem Weg gehen können.
Auch das Schiff, das wir dann schließlich in Logstor fanden und auch kauften, wollten wir gar nicht mal unbedingt haben. Für den Preis war der Zustand nicht optimal und wir waren kurz davor, abzusagen und weiter zu suchen. Aber plötzlich erinnerte ich mich, dass der Motor - ein Volvo Penta D255 Motor gerade mal 6 Jahre alt war und nur knapp über 600 Stunden Laufzeit auf der Uhr hatte. Und dann viel mir ein, wieviel Ärger wir doch mit dem alten Bukh-Motor auf der Fellowship hatten. Ständig war irgendwas kaputt oder funktionierte nicht so, wie es sollte. Und ein altes sehr robustes Boot mit einem vergleichbar jungen hochwertigen Marken-Motor haben zu können, erschien plötzlich sinnvoll und erstrebenswert.
Wir verhandelten extrem hart mt Thorben und einigten uns auf einen Preis, der sehr gut war für dieses Boot und so begann unsere gemeinsame Story im Sommer 2019,
Berlin, 18. August 2026,
Stefan

